Die Flesch-Formel

Wie lässt sich Lesbarkeit messen? Der US-Amerikaner Rudolf Flesch entwickelte dafür schon 1948 eine einfache Formel – den Flesch-Reading-Ease.

Die Grundidee

Flesch ging von einer einfachen Beobachtung aus: Kurze Wörter und kurze Sätze sind in der Regel leichter verständlich als lange. Dabei wiegt die Länge der Wörter sogar etwas schwerer als die Länge der Sätze.

Aus diesen beiden Größen – der durchschnittlichen Wort- und Satzlänge – berechnet die Formel eine einzige Zahl: den Flesch-Index.

Die Formel

FI
Flesch-Index – das Maß für die Lesbarkeit (in der Regel 0 bis 100).
WL
durchschnittliche Wortlänge, gemessen in Silben pro Wort.
SL
durchschnittliche Satzlänge, gemessen in Wörtern pro Satz.

Je länger die Wörter und Sätze, desto mehr wird von 206,835 abgezogen – und desto niedriger fällt der Index aus. Ein hoher Wert steht also für einen leicht lesbaren Text.

Ein Rechenbeispiel

Nehmen wir den Satz:

„Der Hund läuft schnell.“
  • 1 Satz, 4 Wörter → SL = 4
  • 5 Silben (Der · Hund · läuft · schnell) auf 4 Wörter → WL = 1,25

Eingesetzt in die Formel:

FI = 206,835 − 84,6 · 1,25 − 1,015 · 4 ≈ 97

Ein Wert von rund 97 – also sehr leicht lesbar.

Die deutsche Variante (Amstad)

Flesch entwickelte seine Formel für das Englische. Der Schweizer Toni Amstad passte sie 1978 an die deutsche Sprache an – deutsche Wörter sind im Schnitt etwas länger. Seine Formel lautet:

Im Rechner können Sie oben zwischen beiden Formeln wählen: der Original-Formel von Flesch und der für Deutsch angepassten Amstad-Formel. Die Einordnung in der Tabelle unten gilt für beide.

Den Index richtig deuten

Der Flesch-Index liegt meist zwischen 0 und 100. Diese Tabelle hilft bei der Einordnung:

IndexBewertungBedeutung
90 – 100Sehr leichtFür jeden mühelos verständlich.
70 – 90LeichtEinfache, klare Sprache.
50 – 70MittelDurchschnittlich, gut lesbar.
30 – 50SchwerAnspruchsvoll, eher für Geübte.
0 – 30Sehr schwerFachsprachlich und komplex.

Was die Formel nicht kann

Die Flesch-Formel betrachtet nur Wort- und Satzlängen. Ob ein Text inhaltlich logisch aufgebaut, sachlich richtig oder stilistisch gelungen ist, kann sie nicht beurteilen. Ein kurzer Satz aus Fremdwörtern kann trotz gutem Index schwer verständlich sein. Der Wert ist deshalb ein nützlicher Anhaltspunkt, aber kein Ersatz für das kritische Lesen.